140. Jahre Bahnhof Lichterfelde West

21.12.2012

Bahnhof Lichterfelde West feiert 140. Geburtstag

„Ein Ort, so schön wie ein Gedicht“ textete der Schriftsteller und Ingenieur Heinrich Seidel einst über Lichterfelde. Die Villenkolonie war ab 1881 bereits stolz auf die erste elektrisch betriebene Straßenbahn der Welt im Testbetrieb, wie der Wahl-Lichterfelder in seinem Lobgedicht hervorhob.

Eine der beiden Eisenbahnhaltestellen befand sich in Lichterfelde West. Aushängeschild der imposanten Wannseebahn-Haltestelle, die am 15. Dezember 1872 eröffnet wurde, ist das Bahnhofsgebäude im Stil einer toskanischen Villa. Trotz all des heute noch auszumachenden Glanzes, der damals vor allem zahlungskräftige, großstadtmüde Berliner in die Villenkolonie mit Bahnanschluss locken sollte, blieb man pragmatisch.

Hätte es mit der Erschließung des Ortes nicht wie erwartet geklappt, wäre das Empfangsgebäude mit Belvedereturm eben als Villa wieder verkauft worden. Doch der Bahnanschluss erwies sich als gute Investition. In diesem Dezember feiert der Bahnhof Lichterfelde West (S 1) seinen 140. Geburtstag.

Kuriose und anrührende „Lichterfelder Bahnhofsgeschichte(n)“

Zum Jubiläum ist ein neues Kiezbuch mit dem Titel „Lichterfelder Bahnhofsgeschichte( n)“ erschienen, in dem die wechselvolle Geschichte der Haltestelle erzählt wird. Die Autoren Harald Hensel und Christiane Kundt präsentieren darin auch eine Vielzahl bislang unbekannter Fotos.

Zahlreiche Farbaufnahmen verdeutlichen die Ästhetik alter Verkehrsarchitektur und wecken Interesse für einen genaueren Blick auf das Bahnhofsgebäude. Lesenswert sind Briefwechsel aus dem 19. Jahrhundert, kuriose Zeitungsartikel aus jener Epoche und anrührende Geschichten von Zeitzeugen.

Für an Bahngeschichte interessierte Leser gehen die Autoren auf die Bedeutung der Haltestelle für den Aufschwung von Groß-Lichterfelde ein und erläutern den Bau von Wannsee- sowie Goerzbahn.

Des Weiteren berichten sie von der Kriegszeit und erinnern an den sogenannten „Amibahnhof“ in Lichterfelde-West. Der Militärbahnhof wurde 1947 durch die amerikanische Besatzungsmacht auf dem Güterbahnhof errichtet.

Der Mauerbau führte dann zu einem Boykott der S-Bahn, was den Verfall der Wannseebahn bis in die 80er-Jahre nach sich zog. Durch die Wiederinbetriebnahme des sanierten Bahnhofs im Jahr 1985 erhielt der Berliner Ortsteil den für ihn wichtigen Bahnanschluss zurück.

Information

Das Buch zum Bahnhof

„Lichterfelder Bahnhofsgeschichte(n) –
140 Jahre Bahnhof Lichterfelde West.“

Hrsg.:
Förderverein Bürgertreffpunkt
Bahnhof Lichterfelde West e.V.,

- 128 Seiten,
- 10,00 €
(erhältlich im Bürgertreff-punkt /online bestellbar per Mail:
info@lichterfelde-west.net)