21.09.2017

Stellwerkstechnik von der Pike auf lernen

Spezielles Training im Eisenbahn-Betriebsfeld

Sieht aus wie eine Zeitreise: Die angehenden Fahrdienstleiter Oliver Goihl (links)
und Lennard Kahl lernen das Steuern von Zügen an verschiedenen Stellwerksformen im
Eisenbahn-Betriebsfeld Schöneweide.
Sieht aus wie eine Zeitreise: Die angehenden Fahrdienstleiter Oliver Goihl (links) und Lennard Kahl lernen das Steuern von Zügen an verschiedenen Stellwerksformen im Eisenbahn-Betriebsfeld Schöneweide.

 

Früher musste ein Stellwerker nur aus dem Fenster schauen und wusste, wie es um den von ihm zu steuernden Zug bestellt ist. Heutige Fahrdienstleiter sitzen in einer kilometerweit entfernten Betriebszentrale vor einem Bildschirm, die Fahrstraßen als bunte Linien auf dem Monitor vor sich, und geben per Mausklick Strecken frei.

 

Alles, was die Geschichte der Stellwerkstechnik hergibt

Nur im Eisenbahn-Betriebsfeld Berlin-Schöneweide, einer Einrichtung von DB Training, ist die Zeit anscheinend stehen geblieben. In der 1958 eröffneten Ausbildungsstätte dominieren Hebel, Tasten, Knöpfe das Bild. „Alles, was die Geschichte der Stellwerkstechnik hergibt, haben wir hier: zuerst genutzte mechanische und später entwickelte elektromechanische Stellwerke bis hin zu Relaisstellwerken“, erklärt Trainer Jens-Uwe Kemper. Nicht aus musealen Gründen - tatsächlich lernen angehende Fahrdienstleiter, Triebfahrzeugführer, Studierende mit Bahnbezug und weitere Gruppen hier die Stellwerkstechnik von der Pike auf.

 

Schritt für Schritt zu begreifen, was da eigentlich im elektronischen Stellwerk passiert

Bergheim, Schöngrund, Fichte, Rabendorf und Feldbach heißen die fiktiven Bahnhöfe, an denen die Modelleisenbahnen der Anlage halten sollen. Im Außengelände sind zwei echte Weichen sowie ein Signal angeschlossen.

Bild: Die angehenden Fahrdienstleiter bei der Arbeit
Die angehenden Fahrdienstleiter bei der Arbeit

Lennard Kahl und Oliver Goihl, Auszubildende im Beruf des Eisenbahners im Betriebsdienst, sind sich einig, dass ihnen das Stellwerks- Training geholfen hat. „Um Schritt für Schritt zu begreifen, was da eigentlich im elektronischen Stellwerk passiert, war der Blick in die Historie sehr aufschlussreich“, erklärt Oliver Goihl. Und Lennard Kahl ergänzt, dass sie froh sind, neben abstrakten Linien das Handwerk hinter ihrem Beruf kennengelernt zu haben:

„Das ist die Grundlage.“ Die angehenden Fahrdienstleiter sind während ihrer zweieinhalbjährigen Ausbildungszeit insgesamt rund drei Wochen im Eisenbahn-Betriebsfeld. Nach einer Schulung zum Regelbetrieb bei Ausbildungsbeginn werden später Störungen, Bauarbeiten bei laufendem Betrieb und weitere außergewöhnliche Vorkommnisse simuliert, die von den Azubis zu bewältigen sind.

„Ich wünsche mir, dass das Betriebsfeld um einen elektronischen Arbeitsplatz erweitert wird. Dann hätten wir alle gängigen Stellwerksarten zusammen“, so Kemper.

 

 

Text: Claudia Braun
Fotos: André Groth