23.03.2017

Leichtgewicht überbrückt Lücken

Neue Rampe für Rollstuhlfahrer im Praxistest

Uwe Keller, Rico Todzi im Rollstuh, Daniela Franke und Bettina Jeschek prüfen die Rampe für die neue S-Bahn für Berlin.
Uwe Keller, Rico Todzi im Rollstuh, Daniela Franke und Bettina Jeschek prüfen die Rampe für die neue S-Bahn für Berlin.

 

185 Kilogramm wiegt allein der Elektrorollstuhl, auf den Rico Todzi angewiesen ist. „Hinzu kommt mein Gewicht, und oft habe ich noch einen schweren Rucksack dabei“, sagt der Berliner, der für ein besonderes Vorhaben ausgesucht wurde. „Wir machen einen Praxistest mit der Rampe für die neue S-Bahn“, erklärt Uwe Keller, der bei der S-Bahn Berlin auch für Verbesserungen zuständig ist. „Bisher wissen wir, dass die Rampe beim Modell der neuen S-Bahn gut funktioniert. Jetzt wollen wir gemeinsam herausfinden, ob die Rampe auch unter den realen Bedingungen besteht. Ist sie rutschfest und leicht zu handhaben? Ist sie belastbar und stabil genug?“ Da passt es gut, dass Todzis Rolli nicht nur zu den schwersten, sondern auch größten gehört, wie er selbst sagt.

 

Rico Todzi im Rollstuhl und S-Bahnmitarbeiter Uwe Keller testen die Rampe, die für die neuen S-Bahn-Züge ab 2021 im Teilnetz Ring/Südost vorgesehen ist.
Rico Todzi im Rollstuhl und S-Bahnmitarbeiter Uwe Keller testen die Rampe, die für die neuen S-Bahn-Züge ab 2021 im Teilnetz Ring/Südost vorgesehen ist.

Die neue Rampe, die Rollstuhlfahrern hilft, die Lücke und den Höhenunterschied zwischen Zug und Bahnsteigkante zu überbrücken und problemlos in den S-Bahn-Wagen zu fahren, wirkt unscheinbar. Kompakt, zusammenklappbar und mit einem Innenmaß von gut 80 mal 60 Zentimetern sowie einem Gewicht von rund fünf Kilogramm ist sie geradezu ein Leichtgewicht.

„Die neue Rampe ist, ebenso wie die jetzt eingesetzte, für Lasten bis maximal 350 Kilogramm auslegt. Im Gegensatz zum aktuellen Modell, das um die zwölf Kilogramm schwer und mehr als doppelt so groß ist, soll die neue Rampe nicht auf dem Bahnsteig stehen, sondern wird im Zug untergebracht“, so Uwe Keller zu den Vorteilen.

 

Weil bei den Zügen der Baureihe (BR) 481 die Einstiegshöhe in die Wagen genauso ist wie bei den neuen Zügen, eignet sie sich bestens für den Test. „Aber die Höhenunterschiede der Bahnsteigkanten variieren“, wie Bettina Jeschek, Beauftragte für Fahrgäste mit Behinderungen bei der S-Bahn Berlin, ergänzt. Zwar gibt es zwei Normen, aber einige Bahnhöfe liegen in einer Kurve, was die Einstiegssituation ebenfalls verändert. Also wird auf verschiedenen Bahnhöfen getestet.

Am S-Bahnhof Frankfurter Allee legt Uwe Keller die Rampe bei einer 481 an. Im Alltag macht das der Triebfahrzeugführer bei Bedarf. Rico Todzi, der vor allem in den Wintermonaten die Öffentlichen schätzt, rollt problemlos in den Wagen. „Das passt“, sind sie sich einig.

Am Treptower Park passen die Tester einen älteren Zug ab. Hier ist der Höhenunterschied besonders groß. Und trotzdem: „Da rutscht nichts“, gibt Todzi zu Protokoll. Am Ende kommen alle Beteiligten zu dem gleichen Fazit: Die neue Rampe hat sich in allen Situationen bewährt.

 

Mehr Informationen zur Neuen S-Bahn für Berlin

 

 

Text: Claudia Braun
Foto: Hans Friedrich