23.03.2017

Programm für die Fachkräfte von morgen

Ministerin und Gäste informierten sich über „Chance plus für Flüchtlinge“

Ausbildungsgesamtkoordinator Michael Hallmann (links) möchte motivierte Geflüchtete wie Sajjad Qurbanyan dauerhaft als Facharbeiter an die S-Bahn Berlin binden.
Ausbildungsgesamtkoordinator Michael Hallmann (links) möchte motivierte Geflüchtete wie Sajjad Qurbanyan dauerhaft als Facharbeiter an die S-Bahn Berlin binden.

 

Ahmed Bitar bringt sie alle zum Lachen: die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles ebenso wie ihre Amtskollegin Ylva Johansson aus Schweden, den Einwanderungsminister Ahmed D. Hussen aus Kanada und Gabriela Ramos, Sonderbeauftragte des OECDGeneralsekretärs und G-20-Sherpa. Zwar wird den internationalen Gästen, die sich über die Flüchtlingsintegration im Werk Schöneweide informieren, übersetzt, aber die launigen Sprüche im Berliner Dialekt verlieren dadurch nur unwesentlich. „Ick arbeite mit lauta Berlinern zusammen, da passiert das“, erklärt der 19-Jährige ein wenig stolz.

Ahmed Bitar ist einer von zwölf Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich beim Programm „Chance plus für Flüchtlinge“ auf eine Berufsausbildung bei der Deutschen Bahn (DB) in Berlin vorbereiten. Sechs von ihnen absolvieren die Qualifizierung bei der S-Bahn Berlin, sechs bei DB Services, wie Michael Hallmann, Ausbildungsgesamtkoordinator bei der S-Bahn, den Gästen erklärt. „Das Programm beinhaltet nicht nur Berufsorientierung und betriebliche Praxis. Die Geflüchteten besuchen auch eine Sprachschule, um sie mindestens auf die Sprachniveaustufe B2 zu bringen. Außerdem werden sie von einem Sozialpädagogen vom Trägerverein ,Zukunft plus‘ betreut, der ihnen beispielsweise unser Gesellschafts- und Wertesystem erklärt“, fasst Hallmann zusammen.

 

Acht Teilnehmer begannen eine Berufsausbildung

Auch im ersten Durchgang nahmen zwölf junge Männer an dem zehnmonatigen Programm teil. Der Koordinator informiert: „Acht von ihnen konnten eine Berufsausbildung beginnen, einer fand aufgrund seines zuvor abgeschlossenen Studiums einen Job und drei wurden für weitere vorbereitende Maßnahmen vorgeschlagen.“ Er fügt hinzu, dass gut ausgebildete Fachkräfte dringend benötigt werden.

Arbeitsministerin Andrea Nahles (li.) und Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der DB für das Land Berlin (re.), besuchten u.a. Ahmed Bitar, der Mechatroniker werden möchte.
Arbeitsministerin Andrea Nahles (li.) und Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der DB für das Land Berlin (re.), besuchten u.a. Ahmed Bitar, der Mechatroniker werden möchte.

Den Ministerinnenbesuch nutzten Michael Hallmann und seine Kollegen auch, um auf Probleme hinzuweisen. So forderte DB-Personalentwicklerin Ulrike Stodt, dass Sprachkurse sich mehr an den beruflichen Erfordernissen orientieren müssten. Michael Hallmann sieht in der langen Dauer der Asylverfahren eine Gefahr. „Wir bilden einen jungen, motivierten Menschen aus, der dann vielleicht doch das Land verlassen muss, obwohl er hier dem Fachkräftemangel entgegen wirken könnte“, gibt er zu bedenken.

Dem Afghanen Sajjad Qurbanyan, seit zwei Jahren in Deutschland und noch immer ohne Asylantragsentscheidung, könnte es so ergehen. Seit sein Land wieder punktuell als sicheres Herkunftsland gilt, ist nicht klar, ob der 21-Jährige tatsächlich noch eine Berufsausbildung beginnen wird. „Chance plus“ möchte der ehemalige Stoffverkäufer, der sich Deutsch allein mit Büchern beigebracht hat, nicht an den Nagel hängen: „Eine Ausbildung im elektronischen Bereich könnte ich mir vorstellen.“

 

 

Text: Claudia Braun
Fotos: André Groth