23.02.2017

Für Zug und Fahrgäste – Helfer im Hintergrund

Die Teams des mobilen Streckenservices arbeiten rund um die Uhr

Die Standzeit des Zuges wird genutzt, um schnelle Abhilfe bei Problemen zu schaffen, zum Beispiel beim Austausch einer defekten Notbremse.
Die Standzeit des Zuges wird genutzt, um schnelle Abhilfe bei Problemen zu schaffen, zum Beispiel beim Austausch einer defekten Notbremse.

 

Die Instandhalter vom mobilen Streckenservice, Michael Präger und
Andreas Kallms, sind unterwegs im S-Bahn-Netz.
Die Instandhalter vom mobilen Streckenservice, Michael Präger und Andreas Kallms, sind unterwegs im S-Bahn-Netz.

Im Film erscheinen Helfer mit dem Hubschrauber am Himmel, rasen mit Blaulicht heran oder stürzen sich durch verschlossene Türen. Gut, der mobile Streckenservice der S-Bahn Berlin kommt bei seinen Einsätzen nicht ganz so spektakulär daher, wenn er tonnenschweren S-Bahn-Zügen, die während der Fahrt technische Störungen aufweisen, zur Hilfe eilt. Dabei arbeitet die zwölfköpfige Mannschaft stets mit dem Anspruch, mit schnellem Eingreifen Störungen im Betriebsablauf zu minimieren. In Zweier-Trupps sind sie an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr im S-Bahn-Netz unterwegs.

 

Schneller und flexibler im Netz unterwegs mit dem passendem Werkzeug

Im Stützpunkt am Nordbahnhof verschafft sich das Team zum Schichtbeginn am Computer einen Überblick, welche Störungen vorliegen. Unter anderem wird bei einem Zug auf der Linie S42 ein Problem mit einer der Heizungen im Fahrgastraum angezeigt. Wer nun glaubt, die Männer würden, wenn sie sich auf den Weg machen, eine überdimensionierte Werkzeugtasche über die Schulter werfen, der irrt. „Wir legen unsere Wege nach Möglichkeit mit der S-Bahn zurück, wir sind so meist schneller und flexibler im Netz unterwegs, eben ohne lange Staus. Deshalb entscheiden wir bei jeder einzelnen Meldung, welche Bauteile wir mitnehmen“, sagt Instandhalter Andreas Kallms, „denn jeder der Kollegen kennt die drei Baureihen nahezu auswendig und kann die Störungsmeldung einordnen.“

 

 

Entscheidungen werden aufgrund der Diagnose mit dem Laptop getroffen

Wenig später steigen Kallms und sein Kollege Michael Präger in den leeren Führerstand am Zugende. Während die S42 weiter ihre Runde dreht, greifen sie sich ihr Hauptwerkzeug: ein Laptop, der ans System des Zuges angeschlossen wird. Über das Auslesen des Speichers ergibt sich die Diagnose, anhand derer entschieden wird, wie es weitergeht.

Eine Meldung an die Instandhaltung des Werkes, dass eine der Heizungen nur 80 Prozent Leistung erbringt, genügt in diesem Fall. „Manche Probleme können wir umgehend lösen: Wir wechseln, wenn der Zug pausiert, beispielsweise eine Sicherung oder eine Leiterkarte, und der Schaden ist behoben. Andere Fehler sind geringfügig, die braucht man erst bei der vierzehntägigen Wartung im Werk zu beheben. Hin und wieder kommt es aber anders, dann müssen wir einen Zug aus dem Verkehr ziehen“, erklärt Präger. Einige dieser schwierigeren Problemfälle können auf einem Abstellgleis repariert werden, und wenn nichts mehr hilft, muss der Zug ins Werk überführt werden.

 

Jeder der Kollegen kennt die drei Baureihen nahezu auswendig

„Wir nehmen auch Komfortreparaturen vor, wenn Sitze verunreinigt wurden oder Lampen ausgefallen sind. Auch Türstörungen, wie beispielsweise der Austausch defekter Türtaster, können in der Standzeit auf dem Abstellgleis beseitigt werden“, fährt Präger fort, während er den Laptop wieder einpackt. Nun wird er sich mit seinem Kollegen der nächsten Störungsmeldung widmen: einem Antriebsschaden in einem Zug auf der Stadtbahn.

„Wir erhöhen mit der mobilen Instandhaltung den Komfort im Zug und tragen unseren Teil dazu bei, dass die Fahrt sicher und reibungslos läuft“, sagt Kallms abschließend. Ohne Rotorenlärm, Sirenengeheul oder sportliche Topleistungen ziehen die beiden zur Stadtbahn weiter – unauffällig und im Hintergrund, um zu sehen, wie sie dieses Mal helfen können.

 

 

Text: Sabine Adler
Fotos (4): Sabine Adler