Der Ersatzfahrplan für die Streiktage

Auch das S-Bahn-Liniennetz wurde auf der Grundlage des Ersatzfahrplans erarbeitet.

 

Michael Wingerter von der S-Bahn Berlin erklärt wie er entstanden ist

Nur 24 Stunden Zeit hatten Michael Wingerter, Leiter Produktionsplanung, und mehr als 50 weitere S-Bahn-Mitarbeiter, um angesichts des Streiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), der am 5. Mai um 2 Uhr begann, einen Ersatzfahrplan zu erstellen. Daran beteiligt: rund zehn Fachbereiche der S-Bahn Berlin und ein spezielles EDV-System.

Zu ihrer Verfügung: 15 S-Bahn-Linien und ein Netz von 332 Kilometern, aber geschätzt nur rund 150 Triebfahrzeugführer (Tf), die trotz Arbeitsausstand zum Dienst erscheinen. „Es lässt sich immer schwer voraussagen, wie viele Tf es täglich tatsächlich sind“, so Wingerter. Erst beim jeweiligen Schichtbeginn sei die genaue Anzahl bekannt.


Mit einer unbekannten Größe arbeiten

Am ersten Streiktag waren es im Schnitt rund 160, bei normalem Betrieb sind 480 Lokführer im Einsatz. Für Wingerter und seine Mitstreiter bedeutete dies mit einer unbekannten Größe zu arbeiten. Dass es ihnen gelungen ist, einen relativ stabilen Ersatzfahrplan anbieten zu können, ist genauer Planung, vielen Überstunden und – das mag fast ironisch klingen – ihrer zunehmenden Erfahrung zu verdanken.

„Beim inzwischen achten Streik der GDL haben die Planer schon etwas in der Schublade und wissen, was geht und was nicht“, fügt Michael Wingerter hinzu, der auch das Projekt Betriebsqualität bei der S-Bahn Berlin leitet. Neben Angebots-, Umlauf- und Triebfahrzeugplanern sind unter anderem auch das Betriebs- und Flottenmanagement bis hin zur Instandhaltung an den Planungen beteiligt, denn trotz Streik müssen die Züge nach wie vor in die Werkstätten zur Instandhaltung.

Um den Verkehr aufrechterhalten zu können, muss quasi ein Rad ins andere greifen - nur eben viel schneller.

 

Wie wird entschieden welche Strecken befahren werden?

Rund 30 Prozent des herkömmlichen Angebots werden während des Streiks gefahren. Insbesondere dort, wo die Fahrgäste auf keine alternativen Verkehrsmittel, wie Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen, umsteigen können, sind die S-Bahnen in der Regel im 20-Minuten-Takt unterwegs.

Laut Wingerter braucht daher nicht immer die komplette S-Bahn-Strecke bedient werden, wie etwa bei der S 9 zwischen Flughafen Schönefeld und Landsberger Allee, wo ab der Innenstadt Alternativen zur Verfügung stehen. Bei der S 1 wiederum entschieden sich die Planer, die Linie bis Potsdam Hauptbahnhof zu verlängern, „weil die Fahrgäste hier unbedingt einen Anschluss brauchen“, erklärt Wingerter. Das gilt auch für weitere Strecken auf den Außenästen. Für die ausfallende S 25 zwischen Teltow Stadt, Attilastraße und Südende sowie zwischen Tegel und Hennigsdorf wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen organisiert.

Stehen mehr Lokführer als erwartet zur Verfügung, gibt es Prioritäten nach denen der Ersatzfahrplan ausgedehnt wird. Ganz oben auf der Liste stehen die Verlängerungen der Linien S 5 und S 7.

Informationen zur Betriebslage

 

Foto: Stjepan Sedlar
Text: cb